Tipps für Womo-Einsteiger

1. Vorüberlegungen
2. Reiseplanung
3. Was daneben ist
4. Kaufüberlegungen – Schlüsselfragen
5. Mängel – Nachbesserungen
6. Selbsthilfe
7. Kfz-Versicherung für Wohnmobile
8. Erst nachdenken, dann kaufen

 

1. Vorüberlegungen

Die Lektüre meiner Reisebücher hat Leser bewogen, mich nach Ratschlägen fürs Fahren mit dem Wohnmobil zu fragen. Das Interesse galt auch einem Womo-Kauf.  Der Zugang zum Basiswissen über Reise- und Wohnmobile via Internet war, als ich mit dem Schreiben meiner Tipps begann, recht begrenzt.

Für das Lesen meiner Ausführungen werden Sie Zeit gebrauchen. Ich denke, diese Zeit ist sinnvoll  investiert. Ich bemühe mich um laufende Aktualisierung. Dabei gehen auch Erfahrungen und Anregungen versierter Wohnmobilfreunde ein.

Urlaub mit dem Wohnmobil ist mehr als Camping auf höherem Niveau. Die heutigen Wohnmobile sind zum einen sehr komfortabel, selbst für den Wintereinsatz meist tauglich, zum anderen gewähren sie den Vorteil einer hohen Mobilität. Kinder mögen Wohnmobile, sie werden von ihnen magisch angezogen. Irgendwie haben sie den von ihnen geliebten Höhlencharakter, nur auf vier oder sechs Rädern. Es ist zudem die Unkompliziertheit des Reisens, verbunden mit neuen Eindrücken, vielleicht sogar mit aufregenden Abenteuern. – Im Laufe einiger Jahrzehnte sind so für meine Familie viele unvergessliche Urlaube und Begegnungen mit Menschen zusammengekommen. Gereicht hat es immerhin für zwei Bücher: „Grenzen überschreiten“ und „Traumfänger unterwegs“, vgl. Startseite.

 

2. Reiseplanung

Großartige Planungsarbeit entfällt. Gefällt Ihnen der Ort nicht oder die Region, ist das Wetter zu schlecht, können Sie jederzeit aufbrechen und sich etwas Besseres suchen, das Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch finden.

Auf dem Markt gibt es inzwischen sehr viele Ratgeber für gelungene Fahrten. Stellplatzführer z.B. von Reisemobil, Promobil, dem ADAC oder ACSI sagen Ihnen, welche Plätze sich zum Anfahren lohnen. Mein persönlicher Favorit ist der ACSI-Führer, der insbesondere für das europäische Ausland eine extrem hohe Anzahl von Stell- und Campingplätzen ausweist. Durchweg gut bis sehr gut sind die TopPlätze, die sich vornehmlich in Deutschland befinden, vgl. die Stellplatzbroschüre von TopPlatz, Herausgeber Irma GmbH.  Tipp: Für Fahrten in der Nebensaison gibt es Campingcards, die auf vielen Plätzen akzepiert werden und bisweilen bis zu 50% Rabatt ermöglichen, u.a. die ACSI- oder  ADAC-Campingcard.

Eine neue Welt tut sich mit den Stellplatz-Apps auf. Einige lassen sich sogar kostenlos runterladen. Ob sie die gedruckten Stellplatzführer ersetzen oder ergänzen sollen, muss jeder selbst entscheiden. Ich  bevorzuge die Womo-Stellplatz.Eu Pro-App, die auch offline gut läuft und mir von der Handhabung gefällt.

Problematisch sind zuweilen die angegebenen GPS-Daten bei der Stellplatzsuche. Ziemlich übel ist es, wenn man sich mit dem Womo in ein enges mediterranes Gebirgsstädtchen reinschlängelt, das Navi erzählt: „Ziel erreicht!“, und man befindet sich auf einem belebten Platz vor dem Rathaus. Tatsächlich liegt der Stellplatz einige Kilometer außerhalb der Stadt. Also, falls Bedenken aufkommen, Straßenangaben zur Sicherheit auch ins Navi eingeben und mit den GPS-Daten abgleichen.

Für die mit einem schnellen Reisemobil Versehenen: Geben Sie nichts auf die im Navi angezeigten zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. Ein Blick auf die Verkehrsschilder mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen belehrt einen schnell eines anderen. Gerade in Frankreich wird viel geblitzt, gern von hinten. Es kann je nach Land dramatisch teuer werden, und bei Nichtzahlung vor Ort sogar zur Beschlagnahme des Fahrzeugs führen. Nicht nur die spanische Polizei kennt kein Pardon. Diskussionen zwecklos! Über die Radarmessungen durch die marokkanische Polizei an fast jedem Ortseingang und -ausgang rede ich lieber gar nicht.

Das ändert selbstverständlich nichts daran,  Navigationsgeräte sind hilfreich, keine Frage. Jedoch kein herkömmliches Pkw-Navi kann die Abmessungen und das Gewicht Ihres Fahrzeuges speichern. Für größer dimensionierte Wohnmobile kann dies problematisch werden, es sei denn, Sie verfügen über ein Gerät mit einer speziellen Software, die Ihnen erlaubt, Ihre Fahrzeugdaten wie Gewicht, Höhe, Breite etc. einzugeben.

Eigentlich immer ist trotz des letzten Updates das geladene Kartenmaterial nicht aktuell. Eine Straßenkarte als zusätzliche Orientierungshilfe ist von daher unerlässlich. Womo-Führer können Ihnen gerade im Süden manchen Verdruss ersparen, wenn Sie sich ansehen, wo der Autor gefahren ist und welche Straßen er zu meiden empfiehlt.

Sardinienurlaub (63)skalSo wichtig Wohnmobilführer für die Planung sind, vertrauen Sie ihnen nicht blindlings. Wird Ihnen zum Beispiel eine Wasserquelle im Gebirge beschrieben, wo Sie das schönste und klarste Quellwasser bunkern können, ist etwas Skepsis nicht fehl am Platz. Ein paar Male stand ich auch schon vor solchen Quellen, enweder waren sie verdreckt oder das Wasser lief sehr spärlich. Kalkulieren Sie ein, dass der Autor nicht alles selbst gesehen, einiges irgendwo abgeschrieben hat, und da war es vielleicht auch schon falsch. Deshalb können die Leserbewertungen im Internet vor dem Kauf eines Reisemobilführers durchaus hilfreich sein.

Wenn Sie sich in das außereuropäische Ausland begeben wollen, es nicht kennen und voller Entdeckungsdrang stecken, ist es überlegenswert, sich geführten Fahrten anzuschließen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch sehr gute Reiseberichte, exzellente Streckenausarbeitungen und Internetforen mit vielen wichtigen Hinweisen, die einem die Planung einer individuellen Tour ermöglichen. Wer nicht in einer Gruppe reist, erhält nach meiner Erfahrung viel mehr Kontakte zu den Einheimischen. Gerade das macht ja eine Reise ins Ausland aus. Eine Gruppe schirmt nach außen eher ab, und Wohnmobilfahrer im Konvoi werden nicht immer gern gesehen, alles hautnah erlebt. Ich denke in diesem Zusammenhang an die beliebten Marokkofahrten.20170406_120013skal Edith Kohlbach gilt als Kennerin des Landes, mit ihren Führern in Buchform oder ihren Marokko-Guides fürs Smartphone macht man wenig verkehrt. Weiteres siehe www.edith-kohlbach.de. Zusätzlich noch ein wichtiger Hinweis: In Marokko gibt es ein eindeutiges Verbot für das Mitführen und Benutzen von CB-Funk-Geräten, egal, was der eine oder andere Autor in seinen Reiseführern schreibt. Der marokkanische Geheimdienst ist beim Ab- und Mithören sehr gut, mehr brauche ich wohl nicht auszuführen.

Sie werden feststellen, die Versorgung mit Wohnmobilplätzen in Deutschland und Europa wird immer besser. Jedes Jahr entstehen neue. In Europa existieren mehrere Tausend von ihnen, nicht wenige in traumhaften Lagen.

Wohnmobilplätze sind durchweg preiswerter als Campingplätze, dafür in der Regel spartanisch bestückt. Für Wohnmobilfahrer in Ordnung. Das bedeutet, Sie finden neben einem ausreichend großen und meist gepflegten Stellplatz eine Entsorgungsmöglichkeit für das Abwasser, die Toilette, den Müll und immer häufiger mit WLan. Regelmäßig können Sie Frischwasser nachfüllen, und oftmals ist die Versorgung mit Strom gewährleistet. Es gibt auch Plätze, die mit Extras glänzen wie Sanitärgebäude, Ver- und Entsorgung mit Wasser direkt an Ihrem Stellplatz sowie eigenem Stromanschluss, und das alles eingebettet in parkähnlicher Anlage.

Es gibt sogar kommunal eingerichtete Stellplätze, die nichts kosten, in hoher Zahl vor allem im Süden Europas. Auch hier hilft der ACSI-Führer.

Über farbige Umwelt-Plaketten an der Windschutzscheibe für die jeweilige Euro-Norm und ihre Konsequenzen brauche ich nichts zu schreiben. Wir haben uns daran gewöhnt. Anders ist dies mit der Einrichtung größerer oder kleinerer Umweltzonen in Europa, die ständig erweitert werden oder hinzukommen. Dadurch entsteht u.U. ein gänzlich neuer Zwang, sich über Umweltzonen (green zones) zu informieren, und ein Planungsbedarf für das Beschaffen der jeweiligen Plaketten, denn natürlich drohen saftige Bußgelder beim Ignorieren dieser Umweltvorschriften.  So ist z.B. in Frankreich die Crit’Air Vignette eingeführt worden, die für mehr als 27 Umweltzonen obligatorisch ist. Das Bestellen der Vignette ist nur online möglich, und zwar am kostengünstigsten unter: https://www.certificat-air.gouv.fr/de/

Für einen groben Überblick über die Umweltzonen in Europa scheint mir die kostenlose  Green-Zones-App sinnvoll zu sein. Weiteres Recherchieren im Internet kann jedoch nicht schaden.

3. Was daneben ist

Auf meinen vielen Fahrten habe ich immer wieder Reisemobilisten angetroffen, die sich damit brüsten, grundsätzlich frei in der Landschaft zu stehen. Für diese Spezies, die sich als überzeugte „free camper“ versteht, gibt es sogar besondere Womo-Führer. Mittels genauer Beschreibung und der Angabe von GPS-Daten werden „nicht-kommerzielle“ Plätze herausgestellt, oftmals mit Foto. Die Verfasser sparen nicht mit Hinweisen auf nahe Mülltonnen und wo man „kostenlos“ Frischwasser bunkern oder wie man Schranken mit welchen Tricks umgehen kann. Selbstredend wird auch erläutert, was man tun muss, um nicht von der Polizei erwischt zu werden.

Nicht nur ich habe gesehen, wozu einige bereit sind und was sie über Jahre der Umwelt angetan haben und antun. Natürlich waren nie sie die Umweltschweine, sondern die Einheimischen selbst, die ja sowieso ihre schöne Natur DSC00578bnicht zu schätzen wüssten. DSC00581bbbAber fragen Sie diese Leute mal, wo sie ihre, meist mit hochgiftigen Desinfektions-Chemikalien angereicherte Toiletten-Kassette entleeren. Da bekommen Sie keine Antwort oder eine dumm-freche. –  Zum Aufpolieren des zuweilen matt schimmernden Rufes der Womo-Fahrer tragen solche „free camper“ in keinster Weise bei, ganz im Gegenteil.

Nehmen Sie in der Regel die ausgewiesenen Plätze an. Ihrem Freiheitsdrang wird das keinen so großen Abbruch tun, und so hoch sind die Kosten nun auch nicht. Aus gutem Grund ist lediglich mit sehr speziellen Ausnahmen in allen europäischen Ländern das Stehen in der Landschaft gesetzlich untersagt. Zum Erlangen der Fahrtüchtigkeit dürfen Sie allerdings in Deutschland und auch in anderen EU-Ländern auf öffentlichen Parkplätzen mit Ihrem Wohnmobil einmal übernachten, mehr aber nicht.

Selbstverständlich weiß auch ich, in der Vor- und Nachsaison ist die Polizei in vielen südlichen Ländern nachsichtiger und lässt Sie an schönen Stellen für einige Nächte stehen. Portugal, Sardinien, Spanien sind dafür unter anderem gute Beispiele.

In den drei skandinavischen Ländern Schweden, Norwegen und Finnland können Sie auch als Ausländer das Nutzungsrecht an der freien Natur in Anspruch nehmen. Das sieht jedoch anders aus, als es in einigen deutschen Infoblättern oder Führern niedergeschrieben ist und häufig praktiziert wird. Es ist verboten, landwirtschaftliche Nutzflächen, Rodungen, junge Plantagen etc. zu betreten. Privatbesitz ist zu achten. Das gerade erwähnte Jedermannsrecht bzw. auf Schwedisch Allemansrätt schließt das Übernachten in einem Zelt unter freiem Himmel ein. Dabei darf keiner in der Nähe von Häusern, Hütten oder dergl. sein Zelt aufbauen. Ein Wohnmobil ist aber kein Zelt.  Je nach Staat fällt die Auslegung unterschiedlich streng aus, verbunden mit der Hoffnung, dass sich jeder daran hält, gemäß der landestypischen Praxis: Vertrauen vor Kontrolle.

P1090919skal Beim Stehen abseits der offiziellen Campingplätze sollte man im Kopf haben, dass  das norwegische Jedermannsrecht im wörtlichen Sinne nur für das Zelten sowie für das Übernachten mit den angeführten Einschränkungen gilt, nicht jedoch für das Übernachten in Wohnwagen und Wohnmobilen. Letzteres wird jedoch (noch!) toleriert, wenn man sich auf öffentlichen Rast- oder Parkplätzen aufhält, nicht länger als eine Nacht bleibt, „campingtypisches“ Verhalten (Vorzelt aufbauen, Sonnenliegen aufstellen usw.) vermeidet und sich auch ansonsten unauffällig verhält. In den letzten Jahren häufen sich allerdings vor allem südlich des Polarkreises die Schilder auf den Rastplätzen, norwegen schild die in mehreren Sprachen auf den Unterschied zwischen „Rasten“ und „Übernachten“ hinweisen. Weitere Einzelheiten vgl. www.visitnorway.de, www.visitsweden.de und www.visitfinland.de.

In allen drei Ländern ist es Pflicht, die Natur zu schonen und niemanden zu stören. Abfälle zu vergraben oder Müllbeutel abzulegen, ist aus Tier- und Umweltschutzgründen verboten und wird bestraft. Wohnmobile müssen in Schweden und Finnland zwingend auf Wegen bleiben. Es sei denn, man hat eine anderslautende Erlaubnis. Längeres Verweilen über mehrere Nächte ist auch in diesen Ländern ohne Genehmigung nicht gestattet. Außerdem existieren viele, manchmal nicht so schnell erkennbare Verbote, die die Inanspruchnahme dieses Gewohnheitsrechts insgesamt aufheben, unter anderem in Naturschutzgebieten oder militärischen Sicherheitszonen. Mein Tipp: Sprechen Sie mit einem Anwohner, ob Sie dort stehen können. Daraus entwickeln sich häufig unvergessliche Begegnungen.

Generell gilt: Auf einem richtigen, für Sie eingerichteten Stellplatz schläft es sich in den meisten Fällen auch sicherer. Im Süden Europas sollten Sie sich allerdings genau überlegen, ob Sie nicht lieber auf einen Campingplatz ausweichen. Es sei denn, Sie finden einen auch nachts bewachten Stellplatz vor. Ich denke, ich habe recht anschaulich in meinem Buch „Grenzen überschreiten – Menschen begegnen“ beschrieben, wie man sich in seinem Wohnmobil bei bzw. nach einem nächtlichen Einbruch fühlt. Und glauben Sie nicht, dass es die Profis unter den Kriminellen abschreckt, wenn Sie irgendwo frei und wild in einem Pulk herumstehen. Das Gegenteil ist richtig, dann lohnt es sich nämlich für sie ganz besonders.

À propos Sicherheit: Eine Alarmanlage schützt Sie nicht wirklich, außer Sie halten sich in Ihrem Mobil auf, dann wissen Sie natürlich, was los ist. In Ihrer Abwesenheit nützt Ihnen diese Anlage nicht allzu viel. Heult, hupt oder jault es irgendwo, interessiert dies vor allem im Süden keinen, ganz abgesehen davon, dass sich nach europäischen Vorschriften Ihre Alarmanlage nach kurzer Zeit von selbst abstellen muss.

 

4. Kaufüberlegungen – Schlüsselfragen

Haben Sie sich mit dem Gedanken angefreundet, mit einem Wohnmobil auf die Piste zu gehen, Landschaften, Menschen und Leute kennenzulernen, sollten Sie ein paar Dinge beachten: Ein neues Wohnmobil ist teuer, unter 50.000 Euro werden Sie kaum etwas Brauchbares bekommen, und auf der Preisskala nach oben hin ist sehr viel Luft. Besorgen Sie sich Tests über die Mobile, schauen Sie ins Internet. Nicht gleich kaufen, mieten ist der gute Anfang. Das Mindeste ist eine Probefahrt und ein Probeliegen. Eigentlich selbstverständlich, aber kaum einer macht es.

Einen guten Überblick kann man sich bei Händlern und auf Messen verschaffen. Die Messe „Caravan Salon Düsseldorf“ ist die weltweit größte Leitmesse für Reisemobile und Wohnwagen. 2017  wandten sich auf der gewaltigen Fläche von über 200.000  Quadratmetern mehr als 130 Caravan- und Reisemobilmarken mit über 2.100 Freizeit-Fahrzeugen an die Öffentlichkeit. Für jeden Geschmack und Geldbeutel sollte etwas dabei sein. Außerdem wurden wie eh und je Fahrzeugtrends, Neuheiten sowie zahlreiche Urlaubsmöglichkeiten präsentiert.  Die nächste Messe in Düsseldorf wird vom 24.08. – 02.09.2018 sein, täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr. Der erste Tag ist wie immer den Fachbesuchern vorbehalten.

Die größeren bis großen Hersteller bieten professionelle Werksführungen zu bestimmten Terminen an, die man schnell übers Internet herausbekommt. Meist gibt es auch die Gelegenheit des Probefahrens. Bei kleineren Ausbauern ist man nach meiner Erfahrung auch willkommen. Sollte jedoch begreiflicherweise vorher einen Termin vereinbaren. Es ist ein unschätzbarer Vorteil, sich das Werden eines Wohnmobils genau ansehen zu dürfen. Sind Sie technisch etwas versiert, erkennen Sie Vor- und Nachteile der hergestellten Fahrzeuge, deren Qualität und erhalten eine wichtige Entscheidungshilfe.

Im Folgenden werde ich Ihnen nicht Wohnmobiltypen und deren Konstruktion erläutern oder was Sie in Ihrem Wohnmobil eingebaut haben sollten. Dies würde ellenlang werden und ist viel zu abhängig von der finanziellen Situation, den Lebensgewohnheiten und Ansprüchen des Einzelnen. Vielmehr werde ich mich auf Grundsätzliches beschränken, das nach meiner Auffassung Beachtung verdient und häufig in der Euphorie, sich ein „rollendes Eigenheim“ leisten zu wollen und zu können, untergeht.

Alles entscheidend sind die Fragen, wie, wohin und wielange Sie reisen bzw. im Ausland bleiben wollen. Mit der Beantwortung erhalten Sie den Schlüssel für Größe und Ausstattung Ihres Wohnmobils. Natürlich spielt auch die Zahl der mitfahrenden Personen eine wichtige Rolle. Sie sollten sich also genau überlegen, welche Länder Sie reizen, ob Sie vorhaben, lange Distanzen zu überwinden, Städte aufzusuchen, Wert auf eine gewisse Versorgungsunabhängigkeit legen, sich sehr lange außerhalb Deutschlands aufhalten und ein Freund des Wintercampings sind bzw. werden wollen.

Je nach Ihren Präferenzen in Abhängigkeit von den hier gerade gestellten Fragen kann vielleicht ein Fahrzeug mit Allradantrieb die richtige Wahl sein und/oder ein Mobil mit dem Schwerpunkt auf Betrieb der Heizung mit Diesel und eines Kompressorkühlschrankes ausschließlich mit Strom aus dem bordeigenen Netz. Selbst der Herd lässt sich inzwischen mit Diesel betreiben. Nicht unerwähnt sei die Tatsache, ein Kompressorkühlschrank gewährleistet eine bessere Kühlung als der herkömmliche Absorber-Kühlschrank, der wahlweise auf Batteriestrom, Wechselstrom und Gas läuft. Hinsichtlich „Autarkie“ hat das unter Umständen weitere Konsequenzen für die Stromversorgung aus einer großen Aufbaubatterie mit Solarpanels auf dem Dach oder sogar mit einer zusätzlichen Brennstoffzelle. Üblich sind inzwischen Reduzierungen des Stromverbrauches durch LED-Leuchten und LED-Fernseher. Die Minimierung des Gasverbrauches oder sogar der vollständige Verzicht kann zu der Entscheidung führen, einen größeren Dieseltank zu ordern, der auch gerade für Wintercamper seine Vorteile ausspielt. Wer richtig lange im Ausland verweilen will, muss wissen, dass der Tausch oder das Befüllen von Gasflaschen im Ausland ein Problem darstellt. In Europa gibt es ca. 200 Anschlusssysteme, zwei Adaptersets sollte man in jedem Fall für einen langen Aufenthalt an Bord haben.

Zieht es Sie auf Campingplätze ist durchgängig die Versorgung mit 230-V-Strom und eine Absicherung des Anschlusses in der Regel mit 6 und 8 Ampere gegeben. Schon werden Sie die Frage der Ausstattung Ihres Wohnmobils anders beantworten, zumal Sie in dem Fall auch eine elektrische Kochplatte nutzen können. Selbst der Einsatz moderner, energieeffizienter elektrischer Heizlüfter ist dann möglich. Unter ihnen gibt es kleine Heizgeräte, deren Leistungsstufenje nach Hersteller  von 500 bis  1500 Watt reichen, für ein Wohnmobil akzeptabel.

In Ihre Kaufüberlegungen sollten Sie einbeziehen, dass sich etliches nachrüsten lässt, aber lange nicht alles. Lassen Sie sich von kompetenten Fachhändlern beraten!

Wer sich untereinander nicht gut versteht oder seinen Partner nur dann erträgt, wenn er für sich selbst großen Raum beanspruchen kann, sollte um Himmelswillen die Finger von einem Wohnmobil lassen: Man ist im Womo ständig auf Tuchfühlung. Sehen Sie sich die Größe des Bettes an, vor allem in Kompaktmobilen. Breiten von etwas über 1,30 bis 1,40 m für zwei Personen sind nicht nach jedermanns Geschmack. Falls Sie nicht mit angewinkelten Beinen schlafen wollen, kann auch die Länge des Bettes ein echtes Problem sein bzw. werden. Geteilte Längsbetten, Stockbetten oder ein separates Bett im Alkoven entschärfen darüber hinaus nächtliche Schnarchattacken schnarchen-ist-ein-problem-mit-dem-viele-paare-kaempfen-und verhindern zugleich, dass der eine Bettgenosse beispielsweise bei einem nächtlichen Gang zur Toilette über den anderen rübersteigen muss. Über die richtige Matratze schreibe ich lieber nichts. Das ist individuell zu unterschiedlich, darum ja auch mein Tipp mit dem Probeliegen.

Überlegen Sie bitte auch, wo Ihr Wohnmobil stehen kann, wenn Sie es nicht benutzen. Nicht unwichtig ist, ob Sie eine überdachte Abstellmöglichkeit besitzen oder schaffen können – für die Werterhaltung Ihres Mobils bedeutsam.

Hinsichtlich der Fahrzeuggröße stellt sich der Trend zweigeteilt dar. Zum einen geht die Richtung zu immer größeren Mobilen und zum anderen zu den kompakten. Das obere Mittelfeld dünnt sich aus. Teilintegrierte Reisemobile und Kastenwagen zählen zu den absoluten Publikumslieblingen und machen etwa 70 Prozent der Zulassungen aus. Wählen Sie ein sehr großes, wuchtiges Wohnmobil, werden Sie damit zwar Eindruck schinden, jedoch vermutlich bald zu denen gehören, die wie festgenagelt in der Gegend herumstehen und sehr gern dieselben Orte ansteuern, weil es dort Platz zum Stehen gibt und die Anfahrt relativ einfach ist. Einige erwerben solche Mobile, um im Süden zu überwintern, dann ist die Frage nach der Größe schnell beantwortet. Unter ihnen finden sich auch Deutsche, die alles verkauft haben, im Heimatland lediglich eine Meldeadresse besitzen und seitdem im Wohnmobil leben und ihre mehr oder weniger festen Routen abfahren.

Andere reizt es, im Alter den Kindheitstraum vom eigenhändigen Busfahren zu verwirklichen. Wenn es schon mit der Lokomotive oder dem Pilotenschein nicht geklappt hat, dann soll es wenigstens ein richtig großes Womo sein, so ein „Dickschiff“. Leicht übersehen wird dabei, Busfahren ist ein knüppelharter Job, dem nicht jeder gewachsen ist. Parkplatzsuche in den Großstädten kann man vergessen, und in den schmalen, verwinkelten Straßen südlicher Städte oder Dörfer wird es dann im wahrsten Sinne des Wortes eng. Eng wird es auch bei einigen im Geldbeutel. Die Ausgaben für den Sprit sind konsequenterweise ein weiterer Grund, auf dem endlich erreichten Platz hocken zu bleiben.

Die Besitzer eines Reisemobils bis um die sieben Meter sind die Unternehmungslustigen, die noch tatsächlich reisen. Wer das vorhat, wird sehr schnell feststellen, welche Vorteile die kompakten Mobile besitzen, vorausgesetzt die Motorstärke stimmt. Genau daran sollte es nicht hapern, dies gilt für alle Mobile. Lieber ein paar PS zu viel als zu wenig! Das erspart späteres Nachdenken über die Sinnhaftigkeit eines Chiptunings.

Zum genussvollen Reisen mit dem Ziel, zügig ferne Regionen zu erreichen und sie zu erkunden, sind gut ausgebaute Kastenwagen ideal. Kein Wunder, dass immer mehr Hersteller sie neu ins Programm aufnehmen. Mit einem georderten Allradantrieb sind sie außerdem prädestiniert für schwierige Wegstrecken.P1070898neuskal Das gilt insbesondere für den Mercedes Sprinter. Eine Nummer kleiner geht es üblicherweise auch. Ausgestattet mit Hinterradantrieb, einer manuell steuerbaren ASR (Antriebsschlupfregelung) und entsprechender Bereifung (Ganzjahresreifen) meistern auch diese Kompaktfahrzeuge anspruchsvolleres Terrain.

Das beliebteste Basisfahrzeug stammt von FIAT. Der Fiat Ducato gilt nicht nur als durchweg zuverlässig, sondern ist hinsichtlich des Preises dem Mercedes Sprinter gegenüber im Vorteil. Darüber hinaus verfügt er nach Meinung vieler über die besseren Ausbaumaße, ist breiter und als Version mit mittlerem Radstand etwas länger, aber immer noch knapp unter sechs Metern. (Diese sechs Meter gelten als magische Zahl, weil sie für Fährtarife von Bedeutung sein können.) Allerdings, je nach vorgesehenem Einsatz kann sich der Vorderradantrieb und die geringe Bodenfreiheit als problematisch erweisen. Neuerdings bietet Fiat seinen Ducato auch mit Allradantrieb an.

Häufig sind  Zubehörteile für den Fiat oder die bauähnlichen Fahrzeuge von Peugeot und Citroen erhältlich, die die Ausstatter für andere Basisfahrzeuge nicht bereithalten.

In Sachen Ausstattung stehen die Kastenwagen anderen Wohnmobilen wenig nach, sind dafür aber wendiger, schneller, aerodynamischer und darum auch verbrauchsärmer. Einige Besitzer nutzen sie zudem als PKW-Ersatz. Außerdem kann man mit ihnen auch spontan ins Wochenende fahren. Es liegt auf der Hand, derartige Vorteile werden mit einem eingeschränkten Wohnraumangebot erkauft, vgl. meine oben gestellten Schlüsselfragen!

Wer allerdings glaubt, diese Reisemobile seien durch die Bank besonders günstig, der irrt. Auch hier gibt es eine große Spannbreite bei den Preisen, die durchaus in den sechstelligen Bereich hineinreichen. Zu den Premium-Ausbauern gehört CS-Reisemobile, ein Ausbauer, der sich ausschließlich auf Kastenwagen spezialisiert hat und über den man viel Positives hört.

Wer handwerklich geschickt ist, wird sich unter Umständen auch schon deswegen für einen Kastenwagen erwärmen, weil es für ihn Bausätze gibt, um auf diese Art zu einem kompletten Reisemobil zu gelangen. Im Internet leicht herauszubekommen.

Ein heikler Punkt ist die Zuladung! In vielen Fällen, vor allem bei Campern mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis zu 3,5 t, ist die noch freie Zuladung zu gering. Größte Aufmerksamkeit ist angebracht. Den Fahrer hat der Hersteller, wenn er sich an die Vorschriften hält, mit einem fiktiven Gewicht von 75 kg einbezogen, außerdem den zu 90 % gefüllten Kraftstofftank, das Frischwasser als empfohlene „Fahrbefüllung“ (meist 20 Liter), den Toilettenspültank zu 100 % wie auch den Frischwassererhitzer, die gefüllte Flüssiggasanlage und das gelieferte Bordwerkzeug. Das ergibt die  Masse im fahrbereiten Zustand, ohne (!) von Ihnen georderte Zusatzausstattungen, Mitfahrer, Gepäck, Räder, Kleidung, Lebensmittel etc.

Mit jedem Sonderwunsch verringert sich die erlaubte Zuladung. Eine Markise wiegt schnell mal zwischen 30 und 50 kg, ein Fernseher mit SAT-Anlage 20 kg, eine Anhängerkupplung schlägt mit 50 kg zu Buche. Mit weiteren Wünschen (Rückfahrkamera, größerer Treibstofftank, Fahrradträger, Zusatzbett, Reserverad incl. Hydraulikheber etc.) kommen vermutlich 100 kg und mehr zusammen.

Überladene Wohnmobile sind nicht nur hochgefährlich, insbesondereWaage frontangetriebene. Sie können dem Besitzer bei Polizeikontrollen teuer zu stehen kommen. Die Bußgeld- bzw. Strafvorschriften variieren je nach Land erheblich: Unangenehmer Ausreißer ist die Schweiz mit Nulltoleranz bis hin zum Strafverfahren mit sofortiger Stilllegung.

Inzwischen dämmert es auch den Herstellern, dass es so nicht geht. Durch die Auswahl gewichtssparender Materialien heben sie die Zuladung kräftig an. Letzte Gewissheit – hoffentlich ohne Verdruss – schafft eine Fahrt auf die Öffentliche Waage.

Toxikologen und Betreiber von Klärwerken sind alles andere als begeistert, wenn man sie auf die bioziden Sanitärzusätze für die Fäkalientanks der Wohnmobile anspricht. Für die menschliche Gesundheit und für den Aufbereitungsprozess der Abwässer können sie bedenklich bis schädlich sein. Wollen Sie also etwas für sich und die Umwelt tun, dann denken Sie über eine elektrische WC-Entlüftung nach, die unangenehme Geruchsentwicklung verhindert und den Verzicht auf Sanitärzusätze ermöglicht. Auf einigen, noch wenigen Plätzen werden Sie inzwischen für den Einbau belohnt: Ihre Entsorgung ist kostenlos, während die Nutzer einer Chemietoilette extra zahlen müssen oder nicht entleeren dürfen. Ein weiterer Vorteil zeigt sich u.a. in Skandinavien: Wer über eine nicht mit biozider Chemie belastete Toilette verfügt, kann diese in den am Rande skandinavischer Straßen befindlichen WC-Anlagen – in Finnland häufig sehr rustikal –  schon mal mit weniger Bedenken entleeren. Und mit einem Klappspaten in der Hand lässt sich der Kassetteninhalt in Afrika z.B. in der Wüste gut vergraben, mit Sicherheit kein Umweltvergehen.

Dass sich der Kauf eines Wohnmobils nur lohnt, wenn Sie über eine gehörige Portion Urlaubszeit verfügen, ist eine Selbstverständlichkeit. Um die Rechnung günstiger ausfallen zu lassen, sollten Sie auch den Erwerb eines gebrauchten Fahrzeugs ins Auge fassen. In den ersten Jahren erleiden die Wohnmobile erhebliche Wertverluste – ganz besonders die großvolumigen – und viel schlechter sind sie auch nicht, häufig sogar besser, weil notwendige Reparaturen erledigt sind.

 

5. Mängel – Nachbesserungen – andere Probelme

Und damit komme ich zu einem Thema, über das nicht so gern geredet oder geschrieben wird, das aber in meinen Ausführungen bereits angeklungen ist. Wer einen Pkw fährt, weiß, er ist nie gegen irgendwelche Funktionsausfälle gefeit. Das ist nun mal so und wird sich trotz aller Bemühungen der Automobilindustrie nie ganz verhindern lassen. Unangenehm und ausnahmsweise auch hochgefährlich sind solche Defekte jedoch allemal. Bei einem Wohnmobil kommt zum Basisfahrzeug noch eine aufwändige und technisch immer kompliziertere Ausstattung hinzu. Die Gefahr von Mängeln erhöht sich zwangsläufig.

Wenn Sie in den ersten Monaten des Eingewöhnens in die teure Neuerwerbung nichts zu beanstanden hatten, freuen Sie sich. Meist ist es nicht so, es können Bagatellen sein. Manchmal hat man aber triftigen Grund, über mehr verstimmt zu sein. Fast jeder Händler wird das bestreiten, glauben Sie ihm nicht. Nicht von ungefähr kursiert der beziehungsreiche Satz: „Das Wohnmobil reift beim Kunden!“

An nicht allen Mängeln sind die Ausbauer Schuld. Tatsächlich haben sich auf dem Zulieferermarkt z. T. monopolähnliche Strukturen mit den bekannten Folgen herausgebildet. Wer ins Internet schaut und in die entsprechenden Foren, wird überrascht sein, wie viele Reisemobilisten sich beispielsweise über defekte Aussteller an werksneuen Fenstern, wenig zuverlässige Kühlschrankverriegelungen oder undichte Serviceklappen ärgern, die auch erst ein paar Monate alt sind. Wer sich die Serviceklappen eines bekannten Toilettenherstellers und seine Dichtungen dann mal genauer anschaut, kann zu keinem anderen Urteil als einer glatten Fehlleistung kommen. Wegen der Klagen seiner Abnehmer muss sie dem Anbieter geläufig sein, juckt ihn aber offensichtlich nicht sonderlich. Entsprechend kursieren im Netz aufgebrachte Kommentare, aber auch Hilfen und Anleitungen für die Beseitigung von Herstellermängeln.

Es darf aber auch nicht übersehen werden, dass die Massenhersteller unter den Wohnmobilanbietern wie die Hymer- oder Trigano Gruppe den Zulieferern sehr genau sagen, zu welchen Preisen sie  Einbauteile abnehmen und wie diese beschaffen sein müssen. Qualität, die sich in anhaltender Gebrauchsfähigkeit darstellt, kann darunter leiden.

Um den Kunden langfristige Funktionsfähigkeit zu sichern, modifiziert notgedrungen ein mir persönlich gut bekannter, renommierter, jedoch  hinsichtlich seiner Marktmacht eher unbedeutender Ausbauer in seinem Werk angelieferte Einbauelemente. Er wird sicherlich nicht der einzige sein.

Häufige Mängelrügen beziehen sich auf Klapper- oder Knarzgeräusche. Windgeräusche können hinzukommen, vor allem von den Dachfenstern. Zart Besaiteten können sie den letzten Nerv rauben. Unangenehm gestalten sie sich schon deshalb, weil die Ursache nicht immer leicht zu finden oder was noch ärgerlicher ist, man konstruktionsbedingt damit leben muss. Manchmal hilft die Montage eines Dachspoilers und das Auswechseln der Fensterdichtungen gegen etwas dickere. Weniger häufig treten die nächsten Mängel auf, aber leider gibt es sie auch. Zu ihnen zählen Schwächen in der Stabilität der Möbel, seltener sind Fehler in der Elektrik oder Elektronik. Richtig schlimm können sich Wasserschäden auswirken, entweder entstehen sie von außen oder durch Leckagen im bordeigenen Leitungsnetz. Ist gerade hier Abhilfe in kurzer Zeit nicht möglich, schmeißen derartige Ereignisse jeden Urlaub. Eigentlich...mit schrift

Die heutigen Wohnmobile sind durchweg mit einer mehrjährigen Dichtigkeitsgarantie versehen. Das bedeutet nicht, dass der Wagen in jedem Fall gegen Undichtigkeiten geschützt ist und diese nicht eintreten können. In Wirklichkeit verpflichtet sich der Hersteller zur kostenlosen Beseitigung eventueller Schäden. Damit es möglichst nicht zu Wassereinbrüchen kommt, sind Sie aufgefordert, regelmäßig eine Dichtigkeitskontrolle durchführen zu lassen. Ich kann Ihnen nur raten, machen Sie das! Ich will lieber nicht schildern, was ich gesehen und selbst erlebt habe.

Wo ich gerade beim Wasser bin, über ein Problem, das viele nicht sehen, möchte ich Sie gern informieren. Es geht um die dauerhafte Entkeimung des Trinkwassers im Wohnmobil. Die Industrie bietet eine Vielzahl von Präparaten und Filtern an. Durchgängig basieren sie auf Zusätzen von Silberionen. Nachweislich wirken Silberionen, weil sie eben biozid sind. Das war schon im Altertum bekannt. Aber: Silberionen können bereits in geringer Konzentration – bei silberhaltigen Wundverbänden inzwischen medizinisch nachgewiesen  – menschliche Gewebezellen angreifen. Nicht umsonst ist der Zusatz von Silberionen in Nahrungsmitteln verboten und dauerhaft im Trinkwasser auch.

Laut Trinkwasserverordnung der EU und damit auch der BRD dürfen Silberionen nicht ständig, sondern nur  im Ausnahmefall (!) bei der Trinkwasserentkeimung eingesetzt werden. Der Grenzwert für das mit Silberionen aufbereitete Wasser liegt im Ausnahmefall bei 0,08 mg/l. Ich bin mir sicher, dass kaum ein Camper diesen Grenzwert bei der Dosierung einhalten kann. Zudem dürfte bekannt sein, dass unabhängige Toxikologen vielfach Grenzwerte für unverantwortlich hoch halten.

Camper berichten über phänomenale Ergebnisse, das Wasser schmecke jetzt viel besser, Tank und Leitungen seien putzsauber, egal mit reingehängter Silberkugel oder Zusätzen, die in den Tank geschüttet werden. Gerade diese enorme Wirkung müsste jedem, der solches Wasser mit diesen phantastischen Reinigungsstoffen trinkt und über Auswirkungen im menschlichen Körper reflektiert, zu denken geben.

Gesundheitstipp: Im Regelfall Finger weg von Silberionen! Trinkwasser aus dem silberionenfreien Tank abkochen oder je nach Region und Hygeniestandard Mineralwasser in Flaschen kaufen, möglichst kein stilles. Den Tank und die Leitungen zum Saisonende z.B. mit zitronensäurehaltigen Mitteln reinigen und anschließend sehr gut nachspülen!

 

6. Selbsthilfe

Befolgen Sie die vorgeschriebenen Serviceintervalle, erhalten Sie schon mal einen Sicherheitsgewinn. Ein Womo ist tatsächlich so etwas wie ein kleines Haus, nur auf Rädern. Hausbesitzer wissen, es fällt ab und zu immer irgendwas an. Nach meiner festen Überzeugung sollten Sie deshalb nur dann mit einem Wohnmobil liebäugeln, wenn Sie über etwas technisches Verständnis und handwerkliches Geschick verfügen.

Besonders gilt dies, wenn Sie sich auf längere Fahrten begeben wollen und nicht damit rechnen können, dass die nächste Reisemobilwerkstatt gleich um die Ecke ist. Unter Umständen beherrschen Sie auch nicht die jeweilige Landessprache.

Unstrittig sind den Anbietern von Wohnmobilen viele gute konstruktive Verbesserungen eingefallen. Dennoch ist es im Hinblick auf ungetrübte Urlaubsfreuden nicht verkehrt, gängiges Werkzeug und Reparaturmaterial mit sich zu führen. Der kluge Mann baut vor – und die Frau auch. Ich rate unter anderem zu Zangen, Schraubwerkzeug mit unterschiedlichen Aufsätzen (Bits), Maulschlüsseln oder ähnlichem, Isolierband, transparentem und hoch stabilem Allwetterklebeband, Draht, Kleber, Kabelbinder, Klemmen und Blech-, Holzschrauben in kleinen Größen. Für „Fortgeschrittene“ lohnt sich ein Voltmeter, mit dem man prüfen kann, ob überhaupt Spannung bei einem angeschlossenen Elektrogerät ankommt.

Reden Sie mit Ihrer Werkstatt darüber. Wenn der Monteur nicht völlig borniert ist, wird er sagen, was sinnvoll ist. Mit der Zeit wissen Sie es aber selbst. Sollte der seltene Fall eintreten, es geht nichts mehr, zögern Sie nicht, den nächsten Wohnmobilfahrer anzusprechen. In der Gemeinschaft der Reisemobilisten hilft man sich untereinander. Es gibt immer erfahrene und pfiffige Zeitgenossen, die Ihnen raten und fehlendes Werkzeug leihen können. Sie werden staunen, womit einige bestückt sind, und so ganz ohne Grund führen die das nicht mit sich.

So brachte ich mit Hilfe eines kundigen P1020280skal Wohnmobilisten unter dessen Aufsicht auf dem hochgelegenen Großparkplatz gleich unterhalb des rauchenden Ätnas meinen Kühlschrank wieder zum Laufen, ein grandioses Erlebnis!

 

7. Kfz-Versicherung

Gerade für Wohnmobile gibt es spezielle Tarife, die nicht von jeder Versicherung angeboten werden. Versicherungsmakler, die auch die Betreuung der von ihnen geworbenen Kunden übernehmen, kümmern sich darum, preisgünstige Versicherungen herauszufinden. Im Internet werden Sie schnell Kommentare über Zuverlässigkeit, Versicherungsumfang und Seriosität herausfinden. Wieweit die immer stimmen, sei dahingestellt, sie können aber hilfreich sein. Ohne eine Wertung abgeben zu wollen oder zu können und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, nenne ich drei Versicherungsmakler, und zwar in der alphabetischen Reihenfolge: Accura Versicherungsmakler GmbH, ESV Schwenger Versicherungsmakler und RMV Versicherungsservice GmbH. Zunehmend entdecken auch Direktversicherer das Geschäft mit den Wohnmobilen. Auch hier lässt sich ein Preisvergleich  am heimischen Rechner bequem und schnell durchführen.

Bevor Sie einen Versicherungsvertrag abschließen, sollten Sie die Leistungen genau überprüfen, die sind mitnichten gleich. Der Teufel steckt im Detail. Neben einer Vollkaskoversicherung sollte man auch über einen Auslandschadenschutz nachdenken, der unter Umständen separat zu beantragen ist. Ausländische Versicherungen begleichen Schäden nach ihren Bedingungen und Wertmaßstäben. Bei einem unverschuldeten Autounfall im Ausland kann es deswegen sein, dass man u.U. auf einen nicht unerheblichen Restbetrag sitzen bleibt. Hier hilft dann der Auslandschadenschutz, der Sie als Geschädigten so stellt, als ob der Unfallgegner bei Ihrer Versicherung kfz-haftpflichtversichert wäre. Ihre Vollkasko müssen Sie dann nicht beanspruchen und werden in der SF-Klasse nicht herabgestuft.

Wer Europa mit seinem Womo verlässt, muss klären, ob seine Kfz-Versicherung incl. Vollkasko noch greift. Das ist keine Selbstverständlichkeit und kann schon bei Reisen nach Marokko problembehaftet sein. Achtung: Die grüne Versicherungskarte bestätigt nur die Existenz einer Haftpflichtversicherung, sagt grundsätzlich nichts über einen eventuell abgeschlossenen Vollkaskoschutz aus. Im Regelfall benötigen die Versicherungen von Ihnen als Minimum eine schriftliche Erklärung, in welchem Zeitraum Sie sich in welchen außereuropäischen Staaten aufhalten wollen. Anschließend erhalten Sie eine Reisebestätigung mit der Kasko-Versicherungszusage. Im Negativfall wäre der gewünsche Versicherung separat abzuschließen. Informieren Sie sich über den Versicherungsschutz beim Transport auf Schiffen und ob Sie von der Havariebeteiligung ausgeschlossen sind, ein Fall, an den die meisten nicht denken.

 

8. Erst nachdenken, dann kaufen

Wägen Sie in Ruhe und Gelassenheit das Für und Wider eines Kaufes ab. Gehen Sie bitte nicht naiv ans Werk. Naivität ist das freundliche Wort für Unwissenheit oder Dummheit, und sehr dumm wäre bestimmt der Fehlkauf eines teuren Campers. Vermeiden Sie typische Anfängerfehler, und Sie werden viel Freude an und mit Ihrem Wohnmobil haben.

P1100011skalWie schon in einem meiner Bücher geschrieben, meine Frau und ich sind seit 1976 mit dem Reisemobil unterwegs, und so schnell soll nicht Schluss sein – warum auch. Wir haben ja noch Träume und sind bald wieder als Traumfänger unterwegs!

Günter Bosien